Briefkopf

Das Curhaus ist der "Pfarrhof" und somit - neben dem Dom - das Zentrum für das Gemeindeleben

Das Curhaus am Stephansplatz 3 und 3a wurde 1738 bis 1740 nach Plänen von Daniel Christoph Dietrich und Johann Gottfried Pock erbaut und wahrscheinlich von Matthias Gerl vollendet. 1806 ist das Curhaus durch Louis Montoyer um ein oberstes Geschoß aufgestockt worden. Es handelt sich um einen 3seitigen freistehenden hochbarocken Monumentalbau über unregelmäßigem Grundriss mit 2 Innenhöfen und Hauskapelle.

Die Innenhöfe sind unterschiedlich groß und mit schlichten barocken Fensterrahmungen und profilierten steinernen Sohlbänken ausgestattet.

Der östlich Hof wurde 1999 als Vortragssaal überdacht, darunter wurde 1997 eine gotische Bruchsteinmauer mit Gewölbeansatz freigelegt.

Die Kapelle 'Mariä Vermählung' im 1. Obergeschoß wurde 1742 von Kardinal Sigismund Graf Kollonitz geweiht. Sie ist ein 4jochiger Saalbau mit Platzlgewölben zwischen Doppelgurten auf Doppellisenen mit Gebälkstücken. Gewölbe und tiefe Fensterlaibungen sind mit schlichte Stuckfeldern ausgestattet, die Orgelempore mit einer vorgebauchten Brüstung. 

Die allegorische Figuren über den beiden Portalen stellen die die 4 theologischen Disziplinen (Kasuistik, Liturgik, Kirchengeschichte und Bibelkunde) dar.

Über der kassettierten Tür vom Stephansplatz 3 befindet sich ein geschmiedetes Lunettengitter mit den Initialen 'C.K.' (für Cardinal Kollonitz) und dem Datum 1740 (beide vergoldet). Das Lunettengitter vom Stephansplatz 3a trägt das Datum 1738 und markiert somit den Baubeginn des Curhauses.

Zwischen Torbogen und Gesims ist bei beiden Türen das Kardinalswappen von Graf Kollonitsch angebracht.

Heutige Nutzung des Curhauses

Neben verschiedenen diözesane Einrichtungen beherbergt es die Pfarrräume, die Wohnungen für den Dompfarrer und die Curpriester, das Kichenmeisteramt sowie das Dombausekretariat und die Verwaltung der Spendenvereine.

Curhausbibliothek

Im zweiten Stock des Curhauses befindet sich die „Donin’sche Curhausbibliothek“. Sie ist nicht nur wegen ihrer wertvollen Buchbestände von ca. 30.000 Bänden, die bis ins 16. Jahrhundert reichen, von herausragender Bedeutung. Das wurde schon vor über 100 Jahren in Form eines gedruckten Kataloges gewürdigt. Bedeutsam ist auch die Form ihrer Unterbringung: Zum einen an dem historischen Ort ihres Entstehens und Wachsens, zum anderen in den schon rund 150 Jahre alten 16 Bibliothekskästen mit einer noch vollständig erhaltenen Registratur, die auch heute noch das Auffinden eines Buches an seinem angestammten Platz ermöglicht. Bestand und Raum bilden so eine harmonische bibliophile Einheit seit sehr langer Zeit, wie sie in diözesanen Bibliotheken kaum mehr anzutreffen ist. Ludwig Donin hat seine Privatbibliothek testamentarisch der Fürsterzbischöflichen Cur von St. Stephan vermacht. Eine von ihm gegründete Stiftung sollte die Erhaltung der Bibliothek finanzieren.

Literatur:

  • Alfabetischer Catalog der Donin’schen Cur-Bibliothek. Wien 1878.
  • Alphabetischer Katalog der Donin’schen Cur-Bibliothek 1878 mit Nachtrag 1901. Wien 1901.

Benannt ist die Bibliothek nach Ludwig Donin (Pseudonyme: Anton Philalethes, Otto Cassian, Ludwig Priester, Rhollandus), Verfasser zahlreicher Gebet- und Erbauungsbücher, historischen und politisch–polemischen Schriften sowie Bücher über den Stephansdom (zum Teil auch in andere Sprachen übersetzt). Es wird berichtet, dass bei seinem Tod etwa sechs Millionen von ihm verfasste Bücher im Umlauf gewesen sein sollen. Er wurde am 23. August 1810 in Kautzen geboren, besuchte das Schottengymnasium und absolvierte anschließend seine Studien der Philosophie und Theologie in Krems und Wien. Nach seiner Priesterweihe am 25. Juli 1833 wurde er zunächst Kaplan in Petersdorf, anschließend in Mariabrunn. 1835 kam er als Levit an die fürsterzbischöfliche Cur, 1838 wurde er Kaplan und 1854 Kurat. Gleichzeitig versah er den Dienst eines Zeremoniärs für die Weihbischöfe Mathias Pollitzer (+ 1850), Franz Zenner (+1861) und für den nachmaligen Erzbischof von Wien Johann Kutschker (+ 1881). Während 27 Jahre hielt er jeden Sonntag die so genannte „Christenlehre“ bei St. Stephan und unterrichtete an den Schulen von St. Stephan. Domkurat Ludwig Donin, von dem auch mehrere Kaseln und Kelche erhalten sind, starb am 20. August 1876 und wurde auf dem Penzinger Friedhof beigesetzt.

Das Domarchiv verwahrt den Teilnachlass Donins (Karton 11, Faszikel 3 / Karton 12, Faszikel 1, 2, 3; Bestand Curpriesterschaft); Notizhefte, Reisepässe, Schenkungserklärungen, Unterlagen und Skripten für seine Bücher, Fotoaufnahmen seiner Aufbahrung, Partezettel, persönliche Erinnerungsgegenstände, Gebetbücher sowie Akten zur Bibliothek (1877 – 1922) und Bücherverzeichnisse.

Donin sammelte und ergänzte die so genannte „Fürsterzbischöfliche Curbibliothek“, die seither nach ihm „Donin’sche Curbibliothek“ genannt wird und in der Verwaltung des Domarchivs steht. Sie ist nicht öffentlich zugänglich.

 

Quelle: Domarchiv

Curhaus

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